bikup - Bildung, Kultur, Partizipation

Sprach- und Kulturmittelnde berichten von ihren Einsätzen vor Ort. Seit Ende Juni begleiten sie in Teams Vertreter der Bundeswehr wie auch Verwaltungs- und Fachkräfte in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf bei der Aufklärungsarbeit der Tönnies-Beschäftigten aus Osteuropa. Sie dolmetschen professionell und vermitteln bei Bedarf soziokulturell, um Fragen verständlich zu erläutern, Vertrauen aufzubauen und Unsicherheiten wie auch Ängste zu beheben.

Erfahrungsberichte von Sprach- und Kulturmittelnden

SIMONA SINESCU, zertifizierte Sprach- und Integrationsmittlerin

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Sprach- und Integrationsmittlerin in den Einsätzen?

Uns Dolmetschenden kommt bei den Einsätzen eine Schlüsselrolle zu. Meine Aufgabe ist es vor allem, zwischen den Verwaltungskräften, der Bundeswehr, teilweise auch der Polizei, und den Betroffenen sprachliche Barrieren abzubauen. Dabei ist es wichtig, Vertrauen auf beiden Seiten herzustellen. Zum Beispiel bei Familien mit Kleinkindern, den Kleinen die Angst zu nehmen, die Familien zu beruhigen, den Sachverhalt so darzulegen, dass es allgemein verständlich ist. Hierbei konnte ich durch meine Weiterbildung als Sprach- und Integrationsmittlerin auch im Bereich der soziokulturellen Vermittlung professionell handeln.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit den Teams bei den Einsätzen vor Ort?

Für eine solche Krisensituation aus meiner Sicht großartig. Es gab einige Anlaufschwierigkeiten und es ist nicht alles glatt gelaufen, aber jeder aus den Teams hat verantwortungsbewusst und lösungsorientiert gehandelt, auch mal auf dem schnellen Dienstweg und ohne großes Aufheben. Alle haben an einem Strang gezogen und waren sehr kooperativ.

Die Bundeswehr und die Polizei waren begeistert von unserer Leistung und fanden es super, dass wir direkt Kontakt zu den Leuten aufbauen und die Situation entspannen konnten, weil wir in der Muttersprache gesprochen haben und sie informieren konnten.

Was könnte vor Ort optimiert werden?

Die Kommunikation zwischen dem Kreis und den Städten bezüglich der Anzahl von Dolmetschern lief nicht immer reibungslos, das haben wir und die Betroffenen auch gespürt. Es gab auch fehlerhafte und nicht aktualisierte Datenlisten, so dass die Teams einzelne Haushalte mehrfach aufgesucht haben, ohne neue Informationen oder Lösungsvorschläge zu bieten. Unter den Hotline-Nummern konnten die Betroffenen niemanden erreichen. Dadurch waren die Leute teilweise enttäuscht und demnach auch nicht immer sonderlich kooperativ. In Gütersloh bestand die Aufgabe darin, die erfreuliche Nachricht mitzuteilen, dass die Quarantäne aufgehoben ist. Auf den Listen waren jedoch auch Leute, die positiv getestet wurden. Das kam dann heraus, weil die Betroffenen von sich aus vom positiven Test erzählt haben. Einige, die in einer gemeinsamen Unterkunft mit allen anderen negativ getestet wurden, und sehnlichst auf ein Ende der Quarantäne gewartet hatten, haben wiederum keine Bescheinigung bekommen.

Wie haben die betroffenen Menschen die Unterstützung auf- und angenommen? 

Die Betroffenen haben sich mittlerweile an die Präsenz von Polizei und Bundeswehr in Uniformen gewöhnt. Ansonsten waren die Reaktionen sehr unterschiedlich. Die meisten waren genervt, erschöpft, verängstigt und verunsichert. Einige haben sich gefreut. Am meisten, wenn es einen konkreten Lösungsvorschlag gab und z. B. die Versorgung mit Lebensmitteln und Medizin sichergestellt wurde. Ich habe wenige eskalative Situationen erlebt, in schwierigen Momenten haben mir meine Kompetenzen in der soziokulturellen Vermittlung sehr weitergeholfen. So konnte ich die Lage beschwichtigen und die Leute beruhigen. In der Regel waren die Betroffenen verständnisvoll für die Aktion.

Wie sind Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit bikup?

Die Zusammenarbeit mit bikup ist großartig. Es funktioniert alles reibungslos. Super Team, großartige Organisation. Gute Kommunikation zwischen den Koordinations- und den Einsatzteams.

OLGA HÖLL, beeidigte Übersetzerin und Dolmetscherin

Wie sehen Sie ihre Rolle als beeidigte Dolmetscherin in den Einsätzen?

Die Dolmetscher konnten die Inhalte verständlicher erklären. Für Einsatzkräfte war es schwierig, den Betroffenen zu erklären, warum sie noch zwei Wochen in Quarantäne bleiben müssen, obwohl sie drei Mal negativ getestet wurden. Wenn jemand Wut rauslassen will, sich aber nicht auszudrücken vermag, kann er aggressiv werden. Uns Dolmetschern gegenüber konnten die Personen ihre Emotionen besser in der Muttersprache ausdrücken und wurden dadurch ruhiger.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit den Teams bei den Einsätzen vor Ort?

Schwierig war vor allem, dass keine vernünftigen Gründe für die Quarantänebestimmungen und auch keine Lösungen genannt wurden. Ansonsten fand ich die Zusammenarbeit mit meinen Teamkollegen kooperativ.

Wie haben die betroffenen Menschen die Unterstützung auf- und angenommen?

Sich einer Person in der Muttersprache mitzuteilen, hat ihnen geholfen, das Ganze besser zu verstehen, selbst wenn viele Fragen offenblieben. Wenn ein Mensch erneut für zwei Wochen isoliert wird, braucht es Lösungen. Was ist mit Essen? Was mit der Miete? Was mit dem Job? Es gibt Familien unter Quarantäne, in denen nur einige Mitglieder bei Tönnies beschäftigt sind. Die anderen Personen fragen nach Bescheinigungen, um sie ihren Arbeitgebern vorlegen zu können. Die allerkleinste Sorge ist, nochmal für zwei Wochen im Haus bleiben zu müssen, wobei das für Familien mit Kindern wirklich nicht einfach ist. Was sie frustriert, ist, dass sie keine Informationen bekommen. Sie erhalten eine zentrale Telefonnummer, wo entweder keiner rangeht oder es wird gesagt: „Wir können auch nix machen“. Viele sagen: „Das Verbot kommt von euch und ihr gebt mir keine Lösung. Ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll.“ Und dennoch musste die Polizei nie eingreifen, es war wirklich alles sehr entspannt. In einer Krisensituation gibt es immer wieder Lücken. Aber die Kommunikation ist in so einem Fall immer das Wichtigste.

Was könnte vor Ort optimiert werden?

Da gibt es verschiedene Sachen – die Corona-Tests, die Verteilung der Lebensmittel und das Thema Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Es hakt immer wieder, wie beispielsweise auch in der Lebensmittelversorgung, wo es zu mehreren Tagen Verzögerungen in der Versorgung kam, weil dem DRK nicht alle notwendigen Informationen vorlagen.

Wie beschreiben Sie die Zusammenarbeit mit bikup?

Sehr gut. Das Team war immer erreichbar und ich habe mich nie allein gefühlt. Es war nie ein Problem, auch wenn ich abends um 22.00 Uhr angerufen habe, hatte ich nicht das Gefühl, dass ich störe.

 

 

 

 

 

 

ELENA DOMBI, zertifizierte Sprach- und Integrationsmittlerin

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Sprach- und Integrationsmittlerin in den Einsätzen?

Sprach- und Integrationsmittler spielen eine große Rolle, wenn es darum geht, Vertrauen aufzubauen. Denn neben der sprachlichen Verständigung ist auch das soziokulturelle Vermitteln ganz wichtig. Den Menschen ist Verständnis für ihre Probleme entgegenzubringen. Das verschaffte auch den Fachkräften eine Erleichterung. Wir haben die Menschen zum Teil in verzweifelten Situationen angetroffen, seit Wochen positiv und negativ Getestete auf engsten Raum zusammen, ohne ausreichende Verpflegung mit Lebensmittel oder Hygieneartikeln, ohne Informationen. Sie waren laut und aufgeregt, haben durcheinander gesprochen, auf eine Art und in einer Sprache, die den Fachkräften fremd ist. Es sah manchmal so aus, als ob die Lage eskalieren könnte. Als Sprach- und Integrationsmittler konnten wir in der Situation wirklich beruhigen. Wir konnten erkennen und vermitteln, dass die Leute nicht aggressiv, sondern einfach nur verzweifelt waren. Das war für alle Seiten gut.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit den Teams bei den Einsätzen vor Ort?

Sehr unterschiedlich, je nachdem mit welchem Team, an welchem Einsatzort und mit welchem Auftrag man unterwegs war. Es kamen ja immer unterschiedliche Akteure zusammen. Aber alles in allem war die Zusammenarbeit in den Teams sehr gut, herzlich und vertrauensvoll. Alle waren motiviert und sehr engagiert.  Das Ordnungsamt der Stadt Gütersloh hat uns gelobt und sich super auf uns als Fachkräfte der Sprach- und Kulturmittlung eingelassen, ebenso die Fachkräfte und Bundeswehr im Kreis Warendorf. Die Soldaten haben uns mit Schutzkleidung ausgestattet. Es waren teilweise über 30 Grad, da kamen wir in unserer Montur ganz schön ins Schwitzen, aber wir wurden wirklich gut mit Getränken und allem anderen versorgt.

Was könnte vor Ort optimiert werden?

Die Organisation vor Ort und die Absprachen zwischen den Involvierten. Es ist immer noch teilweise chaotisch. Es gibt immer noch große Lücken in der Informationskette und in der Versorgung. Teilweise haben die Leute noch nicht einmal Müllsäcke. Manche Betroffene, haben geäußert, dass sie sich wie eingesperrte Tiere fühlen. Schwierig ist, dass die Verantwortung für bestimmte Maßnahmen hin- und hergeschoben wird. Teilweise werden Subunternehmen, über die die Arbeiter beschäftigt sind, mit Aufgaben wie dem Aushändigen von Quarantäneaufhebungen betraut, die aber bei den Menschen nicht ankommen. Die Menschen mutmaßen, dass man ihnen dies Informationen bewusst vorenthält, damit sie nicht in ihre Heimat zurückreisen und als Arbeitskräfte verloren gehen.

Wie haben die betroffenen Menschen die Unterstützung auf- und angenommen? 

Sie waren unendlich dankbar, sich einmal aussprechen zu können, ihre Sorgen mitzuteilen und das Gefühl zu haben, dass man sie versteht. Dadurch konnten sie sich öffnen. Trotz ihrer Not waren sie uns gegenüber immer sehr geduldig und verständlich, dass wir ihnen nicht immer Antworten auf ihre Fragen geben konnten. In dieser Woche hatten wir keine Einsätze vor Ort, sondern haben telefonisch Kontakt mit den Leuten gehalten, um zu fragen, wie es ihnen gesundheitlich, aber auch versorgungstechnisch geht. Daher haben viele nun die Telefonnummer aus der Einsatzstelle. Und da sie über die Hotline niemanden erreichen, rufen sie uns an. Wir bekommen teilweise mehr Telefonate rein, als das wir raustelefonieren. Und immer geht es darum, zuzuhören.

Wie beschreiben Sie die Zusammenarbeit mit bikup?

Wirklich gut. Die Vorbereitung war sehr gut und die gesamte Organisation. Jederzeit war bikup für uns erreichbar. Sie haben uns immer wieder zugehört und gefragt, wo wir noch bessere Unterstützung brauchen.

ANCA BARBURA, studierte Dolmetscherin

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Dolmetscherin in den Einsätzen?

Allein die Tatsache, mit den Menschen in ihrer Muttersprache zu sprechen und sich die Zeit zu nehmen, ihnen zuzuhören, hatte eine beruhigende Wirkung. Auch die Teamleitung meinte, man merke deutlich, dass jemand dabei sei, der die rumänische Sprache spricht. Der ganze Einsatz sei dadurch viel besser gelaufen. Dies bestätigten auch die Polizisten. Sie hatten zuvor damit gerechnet, eingreifen zu müssen, weil einigen Personen mitgeteilt wurde, dass sich die Quarantäne für sie erneut verlängert. Das war aber nicht nötig.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit den Teams bei den Einsätzen vor Ort?

Nach einem leicht chaotischen Start am Morgen haben wir uns gut mit den anderen Dolmetschern abgestimmt. Wir wurden mit Kaffee und Wasser versorgt, aber viel wichtiger war natürlich die Schutzkleidung. Es gab alles – von Handschuhen über Overalls und Masken. Eine Dame hat genau erklärt, wie die Ausrüstung zu handhaben ist. Danach wurden Adressenlisten verteilt, die Teams haben sich dementsprechend organisiert und dann haben wir gemeinsam die Menschen aufgesucht. Das ist alles gut gelaufen.

Was könnte vor Ort optimiert werden?

Die Kommunikation zwischen den lokalen Behörden und den Einsatzteams könnte verbessert werden. Die festgelegten Informationen für den nächsten Tag sollten den Beteiligten spätestens am Abend vor dem Einsatz mitgeteilt werden. Der reibungslose und geplante Ablauf der Dinge am Morgen spielt für den ganzen Tag eine sehr wichtige Rolle. Das erleichtert es den Beteiligten, sich auf die Sache zu konzentrieren und nicht immer an Organisationsfragen denken zu müssen. Auch habe ich den Eindruck, dass die Behörden die Betroffenen teilweise wie Kinder behandeln, indem sie ihnen einfach ohne Begründung Regeln und Maßnahmen präsentieren. Wenn Regeln auferlegt werden, müssen auch Argumente folgen, damit die Leute eine Antwort auf ihre Fragen bekommen: Warum muss ich dies oder das tun? Warum wird mir immer noch Quarantäne auferlegt? Es sollte eine Logik gegeben sein, damit die Menschen davon überzeugt sind, dass die Maßnahmen zu ihren Gunsten ergriffen wurden.

Wie haben die betroffenen Menschen die Unterstützung auf- und angenommen? 

Die Leute haben gut reagiert. Sie hatten viele Fragen und haben auf Antworten gewartet. Eine Dame konnte zum Beispiel nicht verstehen, dass sie erneut zwei Wochen in Quarantäne bleiben muss, obwohl sie selbst negativ getestet war. Woher sie denn jetzt ihre Hygieneartikel bekommen solle, war eine ihrer Sorgen. Andere fragten, wie sie jetzt an Lebensmittel kommen sollten. Leute, die nicht bei Tönnies beschäftigt sind, haben auf Bescheinigungen für ihre Arbeitgeber gewartet. Einige rumänische Arbeiter fühlten sich diskriminiert, weil sie meinten, nur sie hätten in Quarantäne bleiben müssen. Erst als ich ihnen sagte, dass auch eine polnische und irakische Familie betroffen seien, konnten sie sich beruhigen. Wir haben uns immer Zeit gelassen, um auf die Menschen einzugehen, selbst wenn wir auch nicht auf alles eine Antwort hatten.

Wie beschreiben Sie die Zusammenarbeit mit bikup?

Ich möchte mich wirklich bedanken, dass bikup uns die Möglichkeit gegeben hat, diese Erfahrung zu machen, eine Chance und eine Herausforderung zugleich. Ich schätze die Art und Weise, wie bikup mit uns in Kontakt blieb, unabhängig von den späten Stunden, in denen wir kommunizierten. Die vollständigen und zeitnahen Informationen, die übermittelt wurden, haben uns von dem Stress befreit, der sich auf dem Weg angesammelt hat. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich jederzeit offen für jede Art von Zusammenarbeit mit der bikup bin, was meine Tätigkeit als Übersetzer oder Dolmetscher betrifft.

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