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Das Salz in der Suppe

Qualitätsentwicklungsdialog der Initiative „Kurve kriegen“

Der dritte Qualitätsentwicklungsdialog der Initiative „Kurve kriegen“ fand am 12. März im Innenministerium NRW in Düsseldorf statt. Dort trafen sich alle relevanten Akteure, die gemeinsam die kriminalpräventive Initiative umsetzen, um gefährdeten Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern Wege aus der Kriminalität zu zeigen. Im Austausch waren Polizeiliche Ansprechpartner (PAP), Pädagogische Fachkräfte (PFK) und das Steuerungsteam aus dem Innenministerium mit dem Träger bikup gGmbH und seinen Sprach- und Integrationsmittlern (SIM).

Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Staatssekretär Jürgen Mathies, der den  Einsatz der Sprach- und Integrationsmittler mit einem Schlüssel bzw. in Anbetracht ihrer Vielfalt mit einem ganzen Schlüsselbund verglich, der es den PAP und PFK ermögliche, verschlossene Türen zu den dahinter lebenden Menschen zu öffnen, um sie für dringend benötigte kriminalpräventive Maßnahmen zu gewinnen. Die soziokulturelle Mittlung der Sprach- und Integrationsmittler befördere den Abbau von Ängsten und den Aufbau von Vertrauen und Verständnis, so das Fazit des Staatssekretärs. Er betonte auch die Notwendigkeit, „Kurve kriegen“ weiter auszubauen.

Die Sprach- und Integrationsmittlerin Hadisseh Parlaksu im Gespräch mit den Fachkräften aus Duisburg, Jörg Bialon (links, polizeilicher Ansprechpartner) und Dirk Pfeiffer (rechts, pädagogische Fachkraft) Foto: IM NRW

Nach einigen statistischen Erläuterungen zu den aktuellen Standorten der Initiative in NRW sowie der steil ansteigenden Zahl von Einsätzen der SIM, die Referatsleiter Jörg K. Unkrig vorstellte, wurde ein Erfahrungsaustausch zwischen allen Teilnehmenden eröffnet. Neben viel Lob für die reibungslose Organisation zwischen den Fachkräften sowie dem kurzfristigen und passgenauen Einsatz der Sprach- und Integrationsmittler über den „bikup Sprachmittlerpool NRW“ gab es auch Hinweise und Anregungen seitens der PAP und PFK zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit.

Interessant waren insbesondere Schilderungen aus der Praxis, die das wirkungsvolle Zusammenspiel aller Beteiligten aus den unterschiedlichen Perspektiven verdeutlichten. So konnte eine Mutter aus Marokko von den alternativen Angeboten der Initiative überzeugt werden, die anfangs glaubte, nur eine 24-stündige Überwachung könne ihren Sohn vor weiteren Verfehlungen bewahren. Auch die Scham von Eltern zu erkennen, die eine Sprach- und Integrationsmittlerin aus dem gleichen Herkunftsland aus Angst ablehnten, sie könne ihre Reputation in der Heimat gefährden, war Thema. Wie wichtig neben dem professionellen Dolmetschen auch das Wissen über eine andere Kultur und die Sozialisierung der Familie ist, machte ein Sprach- und Integrationsmittler deutlich, indem er bildhaft darstellte, „Kurve kriegen“ ohne SIM, sei wie eine Suppe ohne Salz. „Aber wir müssen aufpassen, dass wir die Suppe nicht versalzen“, ergänzte er betonend und selbstkritisch. Mit Zustimmung aller Beteiligter endete der dreistündige Austausch, der neben neuen Erkenntnissen und Arbeitsaufträgen allen das Gefühl mitgab, auf dem richtigen Weg zu sein.

Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.kurvekriegen.nrw.de/sim-qed2/


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